(The following short article was originally published in Porticus '98 (pp. 11-13) by the
Stiftung Preussische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. It is reproduced here without illustrations).
Mexikos Schönheit in Farben Modelliert:
Ein Maler aus dem Umkreis
Alexander von Humboldtsby Renate Löschner
Ibero-Amerikanische Institut/SPKJohann Moritz Rugendas hat ingesamt 20 Jahre in Mexiko und Südamerika gelebt. Er gilt als der Maler, der Lateinamerika im 19. Jahrhundert in seiner Gesamtheit am überzeugendsten und vielseitigen dargestellt hat. Seine Bilder zeigen landschaften, Menschen, Genreszenen, Pflanzen und Tiere.
Mit dem werk von Johann Mortitz Rugendas klingt die Tradition einer angesehenen Künstlerfamilie aus, die bis zum Jahr 1608 zurückzuverflogen ist: In diesem Jahr sind die Vorfahren des Malers wegen ihres evangelischen Glaubens aus Katalonien ausgewandert. Sie ließen sich in der Freien Reichstadt Augsburg nieder, wo Johann Moritz als ältestes von drei Kindern am 29. März 1802 geboren wurde.
Der Knabe hat schon früh unter Anleitung seines Vaters Johann Lorenz Rugendas gezeichnet und gemalt. Mit sechzehn Jahren ging er dann nach München. Der Schlachtenmaler Albrecht Adam bereitete ihn auf die Aufnahme an der Müncher Kunstakademie vor. Dort widmete sich Johann Moritz bei Lorenzo Quaglio II. der Genre- und Landschaftsmalerei. In der freien Zeit arbeitete der junge Künstler vor der Natur: In der Umgebung von München, Ulm und Augsburg skizzierte und aquarellierte er Landschaftsansichten.
Dieser Befähigung zu freier, spontaner Wiedergabe war es zu verdanken, daß man ihn 1821 als wissenschaftlichen Zeichner für eine Expedition in Brasilien verpflichtete. Rugendas war damals neunzehn Jahre alt und begeistert von dem Gedanken, Südamerika mit den Augen eines Künstlers zu interpretieren. Am 5. März 1822 ging Rugendas in Rio de Janeiro an Land. Die Stadt mit ihren malerischen Bergsilhouetten, die saftige Vegetation, bunten Tropengärten, dekorativen Landhäuser und die exotische Bevölkerung faszinierten ihn. Als es zum Zerwürfnis mit seinem Auftraggeber Baron von Langsdorff kam, zog Rugendas mit einer kleinen Truppe auf eigene Rechnung durch das Land.
Im April 1824 kehrte der Maler mit rund 500 Arbeiten nach Europa zurück. Sogleich begab er sich nach Paris, dem Verlagszentrum für prachtvolle Tafelwerke, besonders Reiseeditionen. Hier wollte Rugendas eine Auswahl seiner südamerikanischen Studien publizieren lassen.
Zunächst hatte er mit diesem Plan keinen Erfolg. Er machte aber die wohl wichtigste Bekanntschaft seines Lebens: Er begegnete Alexander von Humboldt, der eine Neuauflage seiner fundamentalen Schrift "Ideen zu einer Geographie der Pflanzen" plante. Humboldt gab Illustrationen in Auftrag. Der nun folgenden künstlerischen-wissenschaftlichen Zusammenarbeit sollte Lateinamerika die schönsten Bilder aus dem 19. Jahrhundert verdanken.
Rugendas durfte Delacroix im Atelier besuchen. Er sah Bilder von lichtdurchfluteter Farbigkeit, die nicht ohne Wirkung auf ihn blieben. Weitere entscheidende Anregung dürften Ölstudien von John Constable und Richard Parkes Bonington gegeben haben. Die beiden englischen Freilichtmaler hatten 1824 in Paris mit ihrem Ausstellungsbeitrag im Pariser Salon für eine Sensation gesorgt. Bonington lithographierte später eine Tafel für das große Brasilienwerk von Rugendas, die "Voyage pittoreseque dans le Brésil". Der Prachtband kam durch Hmboldts Vermittlung heraus.
Mit dem Honorar, das er dafür erhalten hatte, erfüllte sich Rugendas seinem Jugendtraum: Im Frühjahr 1828 ging er für etwa anderhalb Jahre nach Italien, wo er wahrscheinlich im Dezember 1828 ging er für etwa anderthalb Jahre nach Italien, wo er wahrscheinlich im Dezember 1828 in Rom Gelegenheit hatte, eine Ausstellung mit Bildern von William M. Turner anzusehen. In Italien schloß sich Rugendas an französische Künstler an, die in der Gefolgschaft von Corot bereits mit Farbe vor der Natur malten.
Rugendas plante eine zweite Amerikareise, die dank Humboldts und Schinkels Mithilfe schließlich zu realisiern war. Im Mai 1831 konnte er Europa von Bordeaux aus in Richtung Amerika verlassen. Im Juli 1831 traf Rugendas im Hafen von Veracruz in Mexico ein. Drei Jahre reiste er nun quer durch das Land, von Küste zu Küste. Er lernte ein Gesamtbild kennen, das Humboldt als "wunderbar vertikal und horizontal gegliedert" in Erinnerung hatte.
Der Maler begab sich über Jalapa, Córdoba, Puebla in Richtung Hauptstadt. Er war von den Menschen und der Landschaft begeistert, die mit ihren gewaltigen Dimensionen, ihren Farbintensität, den Kontrasten und der intensiven Lichtwirkung eine besondere Darstellungsweise verlangten. Künstlerische Vorbilder dafür hatte Rugendas nicht. Es gab keinen Maler, der zu dem Zeitpunkt die Tropennatur so gesehen hätte, wie er sie nun darstellen sollte.
Das Licht faszinierte ihn in besonderer Weise. Es vermochte Konturen aufzulösen, Landschaftsformen optisch zu verändern, den Himmel und die Wolken in immer neue Farbenschleier zu tauchen. Rugendas hielt das helle Licht der weitern, trockenen Hochebenen mit ihrem spärlichen Pflanzenwuchs in großzügigen Ölskizzen fest. Aus dem Wechsel von Stimmung und Beleuchtung heraus erfaßte er mit der Farbe die Physiognomie der Landschaft. Der Maler fixierte die Farben in ihrer strahlenden Leuchtkraft. Frische und Spontaneität kennzeichen diese Bilder. Alles ist in natürlichem Licht aus der Farbe entwickelt.
Dabei ist Rugendas in der Auffassung realistisch, in der Wiedergabe nahezu impressionistisch. Mit der Studie von Gipfel des Popocatepetl, den er ganz aus Farben modelliert hat, nahm er bereits 1831 Züge der Malerei des Impressionismus vorweg. Mit seinen exotischen Landschaftsbildern stand Rugendas in den fortschrittlichsten Künstströmungen der Zeit. Nicht nur die englische und französische Freilichtmalerie, auch Studien von Karl Blechen wecken Assoziationen. Darüber hinaus kommt der naturphysiognomischen Aussagefähigkeit von Rugendas' Motiven große Bedeutung zu. Hier besteht die Beziehung zu Humboldts Vorstellungen.
Wenn in Mexiko für Rugendas auch die Landschaft eindeutig Vorrang hatte, verschloß er nicht dem Leben und Treiben der Bevölkerung. Zahlreiche Genreszenen und Bildnisse legen dafür Zeugnis ab.
Da man den Künstler in Mexiko in politische Intrigen verstrickt, kurze Zeit sogar inhaftiert hatte, mußte Rugendas das herrliche Land bereits im Frühjahr 1834 verlassen. Er fuhr mit einem Schiff vom Pazifikhafen Manzanillo aus nach Acapulco. Von dort setzte er im Mai die Reise in Richtung Chile fort. Er lebte nun viele Jahre lang in Chile, auch in Peru, Bolivien, Argentinien und wiederum in Brasilien. Von dort kehrte er 1847 nach Europa zurück. Er ließ sich in seiner Vaterstadt Augsburg nieder, weilte häufig in München und verschied im Jahre 1858 in Weilheim an der Teck.
Der Hauptteil seiner mexikanischen Arbeiten ist durch Vermittlung von Humboldt und Ignaz von Olfers, dem Direktor der königlichen Kunstsammlungen, von dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. angekauft worden. 159 Ölstudien kamen in neuerer Zeit in den Besitz der Ibero-Amerikanische Instituts zu Berlin, 32 Bilder werden heute im Museum für Völkerkunde aufbewahrt. Aus diesem Sammlungen der Stiftung Preußicher Kulturbesitz wurde die Ausstellung zusammengestellt.
Renate Löschner
Ibero-Amerikanische Institut/SPK

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