Richard Röhrbein, Urban Planning Director,
Potsdam-Berlin
Landhaus auf Sizilien
als ein imaginatives Leitbild für Weiterentwicklungen im Bereich des Wohnungsbaus
entdeckt Schinkel auf seiner Italienreise - 1803 / 04 - außer dem Haus eines Engländers
in Syrakus.
Beide Häuser sind nicht kompakte Häuser, sondern Anlagen mit erweiterten
Aussenbereichen.
Stellt sich das Haus in Syrakus als komplexe mehrteilige Hausanlage von Gebäuden und
Zwischen- und Aussenräume auf stark geprägter Topographie in mehrerer Ebenen dar,
handelt es sich bei dem Objekt auf Sizilien um ein Haus mit einem fest umgrenzten
Aussenhaus und Aussenwohnraum.
Das Thema Aussenhaus und Aussenwohnraum sind prominente Themen der
Wohnarchitekturentwicklung des 19. und 20. Jahrhunderts.
Während in den Villen- und Landhäusern des 19. Jahrhunderts zunehmend das Aussenhaus an
Bedeutung gewinnt, wird im 20. Jahrhundert der Topos Aussenwohnraum von Bruno Taut auch
Gegenstand für den Geschosswohnungsbau in der städtischen Verdichtung.
Er wird aufgenommen in den Begriff des jardin suspendue - von Carbusser ua..
Der Unterzeichner hat das Initialmoment von K.F. Schinkel in seinen vielfältigen
Transformationen durch die neuere Wohnungsbaugeschichte verfolgt. Er hat sie aber vor
allem auch in die neuere Praxis umgesetzt - im Modell der niedrig geschossigen Stadtvilla
und des mehrgeschossigen Wohnungsbaus.
Schinkel hat im Verlauf der Spur des Hauses vom Engländer auf Syrakus nicht nur einen
neuen Haustyp, sondern vor allem einen neuen Begriff des Städtebaus gefunden: den
malerischen Städtebau, den landschaftlichen Städtebau. Dieser hat für Berlin und
Potsdam neue wohnkulturlandschaften stimuliert.
Der Ort Syrakus ist für ein Berliner oder Potsdamer Architekten und Stadtplaner gut
gewält.
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